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oj @ 27.02.2002 @ 09:00:30  /  

"Sparen - wir zeigen, wie das geht"

Komiker-Duo Stermann & Grissemann im STANDARD- Interview über ihre Song Contest-Teilnahme

Ein Interview mit dem Komiker-Duo Stermann & Grissemann als erschütterndes Dokument einer Überforderung: Im Gespräch mit Claus Philipp fragen sich die beiden Herren, ob es wirklich lustig ist, am Eurovision Song Contest teilzunehmen zu wollen.

Dirk Stermann & Christof Grissemann

Wien - Wenn nichts mehr schief geht (und es kann, ganz im Ernst, noch einiges schiefgehen), dann steht Österreich am Freitag Das schönste Ding der Welt bevor.

Damit ist selbstverständlich nicht die österreichische Vorausscheidung für den Eurovision Song Contest gemeint, die am Freitagabend vom ORF ausgestrahlt wird, sondern: Dieses Lied, angeblich handfester "Bauern-Techno", singen bei dieser Vorausscheidung die FM4-Moderatoren und Komiker Dirk Stermann und Christoph Grissemann - und nicht nur das: Auf FM4 wollen sie den ganzen Zirkus auch moderieren. Und wenn sie es bis zur Songcontest-Gala im Mai in Tallinn schaffen, wollen sie auch dort in Mehrfachfunktion tätig sein ...

STANDARD: Vor ein paar Wochen kam über die Agenturen eine Meldung, dass die Gala in Tallinn noch nicht ausverkauft sei, weil sich viele Esten die Tickets nicht leisten können.

Stermann: Wirklich? Wahrscheinlich ist Estland unter allen Ländern, die jemals Songcontestsieger hervorgebracht haben, das sympathischste. Ein Trinkerland.

Grissemann: Und eine Woche lang im Vorfeld der Gala quer durch Tallinn zu trinken ...

Stermann: Fritz Ostermayer, unser Komponist, meint, dass wir da nach drei Tagen im Krankenhaus liegen werden.

STANDARD: Was und wie war eigentlich im Vorjahr das estnische Siegerlied?

Grissemann: Das waren zwei junge Männer: ein Schwarzer und ein Este, oder so. Und die haben gesungen.

STANDARD: Ein schwarzer Este?

Stermann: Ich weiß auch nicht mehr so genau: ein US-Este möglicherweise.

Grissemann: Oder Afro-Este. Und die haben gesungen.

STANDARD: Euer Plan wäre nun, zu singen und zu moderieren.

Stermann: Das Lied ist eher eine erweiterte Moderation.

Grissemann: Wenn wir es wirklich schaffen sollten, die Vorausscheidung, die wir auch live moderieren, zu gewinnen, dann würden wir auch in Estland Fernsehgeschichte schreiben: Vor hundert Millionen Zusehern aus der Sprecherkabine zu rennen, aufzutreten, dann wieder in die Kabine zu rasen ...

STANDARD: Die totale Selbstmoderation also. Als müsste Armin Assinger nicht zuerst seine Rennläufer-Laufbahn beenden, um für den ORF-Abfahrten zu kommentieren.

Stermann: Genau. Am Küniglberg muss ja ohnehin überall gespart werden. Da helfen wir mit. Wir zeigen, wie das geht.

STANDARD: Angeblich seid ihr euch in heftigen Auseinandersetzungen aber immer wieder uneinig über die Sinnhaftigkeit dieser Songcontest-Teilnahme.

Stermann: Die Leute, die das kritisch sehen, haben überwiegend Recht. Anders als Stephan Raab oder Gildo Horn sind wir ja keine Musiker, sondern wirklich nur Moderatoren, und da ist die Gefahr der Peinlichkeit schon sehr groß. Wir führen in gewissem Sinne ja nur eine Sache von vor zwei Jahren fort: Damals haben diese alternden Dänen, die Olsen Brothers, gewonnen, und da meinten wir in unserer Moderation auf FM4: "Die sehen so aus wie wir in zehn Jahren. Das sind also wir. Und wir haben jetzt gewonnen."

Grissemann: Jetzt verlassen wir aber diese distanzierte, sichere Position und begeben uns direkt in die Schlangengrube. Und das kann sehr, sehr schief gehen.

Stermann: Mich erinnert es an meinen Philosophielehrer, der sagte: Geht zur Bundeswehr, weil es wichtig ist, das da auch kritische Menschen dabei sind. Ich bin also hin, habe aber schnell gemerkt, dass das nicht geht: als Außenstehender dabei sein. Ich trug ja doch auch die Uniform. So ähnlich ist es mit dem Songcontest vielleicht auch.

STANDARD: Das ist aber das alte Problem von Stermann/Grissemann: Letztlich seid ihr bei aller Belustigung über Russwurm und Co. ja doch auch ORF-Mitarbeiter.

Grissemann: Es war immer eine Gratwanderung bei uns. Aber in diesem Fall fühle ich mich schon unbehaglich. Ich weiß bis zum heutigen Tag eigentlich nicht, was das für einen Sinn hat, in einem Kontext unfreiwilliger Komik komisch zu sein. Das geht kaum.

STANDARD: Es ist ja weitgehend auf den deutschen Sprachraum beschränkt, sich auch "offiziell" über den Contest lustig zu machen.

Stermann: Nein. In Slowenien haben gerade zwei als Stewardessen verkleidete Drag Queens die Vorausscheidung gewonnen. Es gibt dort jetzt eine parlamentarische Anfrage, ob es da mit rechten Dingen zuging. In England wiederum wird der Songcontest überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Es gab in den letzten Jahren keinen Sieger, der nur ansatzweise international Erfolg hatte.

STANDARD: >Trotzdem schauen Millionen von Menschen zu.

Stermann: Ja, weil die bloße Behauptung ausreicht, dass das ein Ereignis ist. Wie beim Villacher Fasching.

Grissemann: Oder Weihnachten. Wenn das monatlich stattfände, wär's kein Ereignis.

STANDARD: Gegen wen tretet ihr in der Vorausscheidung an?

Grissemann: Gegen zwei, drei Girlie-Pop-Bands zum Beispiel. Mit uns stehen Fritz Ostermayer und Chrono Popp auf der Bühne: gemütliche Sauftypen. Völlig ungebräunt und untrainiert. Wahrscheinlich werden wir während der Performance sitzen. Gemeinsam sind wir so alt wie alle anderen Teilnehmer zusammen.

Stermann: Wir wissen ja jetzt noch immer nicht wirklich, wie unser Lied geht. Heute beim Frühstück habe ich überlegt, wie es anfängt. Es ist mir aber nicht eingefallen.

Grissemann: Diese Unfähigkeit und Überforderung kann man aber nicht mehr ironisieren.

Stermann: Aber man kann den Aufwand ironisieren, der da betrieben wird. Allein für die Vorausscheidung muss man dreimal am Tag proben. Und dann hat der ORF noch ein paar Gesetze erlassen, ein Regelwerk, von dem 90 Prozent auf uns gemünzt sind: kein Alkohol auf der Bühne. Kein Publikum auf die Bühne. Keine Doubles auf die Bühne. Keine Moderation auf der Bühne. Sonst: sofortige Disqualifikation. Das ist lustig.

Grissemann: Oder auch nicht.

Stermann: Ich finde es halt witzig, wenn Menschen aus der FM4-Welt in die Hochglanz-Welt einbrechen.

Grissemann: Unter dem Motto kannst du aber auch bei einem Sex-Klamauk-Film mitmachen. Ich unterstelle dir ...

Stermann: ... nicht schon wieder Mediengeilheit, bitte, das ist doch lächerlich!

Grissemann: Mediengeilheit sowieso. Aber du durchdenkst das auch zu wenig.

STANDARD: Ist solches Sichdistanzieren im Vorfeld nicht ...

Stermann: Christoph lügt jetzt nicht, wenn er das sagt. Er ist wirklich dagegen. Seine Mutter auch. Sie ruft regelmäßig an und beschwört ihn: "Tut es nicht!" Mein Vater sagt auch, das sei idiotisch.

STANDARD: Wenn ihr es aber bis Estland schafft, wird dann im Orchestergraben wieder ein Dirigent mit Kopfhörern stehen, so wie das früher Richard Österreicher gemacht hat?

Stermann: Nein, Musik wird jetzt vom Band eingespielt.

STANDARD: Was? Das ist ja . . .

Stermann/Grissemann (im Chor): ... ewig schade!

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 2. 2002)

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oj @ 27.02.2002 @ 09:06:05  :

einfach nur gut:

Stermann: Wir wissen ja jetzt noch immer nicht wirklich, wie unser Lied geht. Heute beim Frühstück habe ich überlegt, wie es anfängt. Es ist mir aber nicht eingefallen.

oj @ 27.02.2002 @ 23:23:10  :

und noch ein schönes interview:

Unter den zehn österreichischen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich am 1. März für den Song Contest in der estnischen Metropole Tallinn qualifizieren wollen, befindet sich auch das Duo Dirk Stermann & Christoph Grissemann. Die beiden aus Funk ("Salon Helga") und Fernsehen ("Suite 16") bekannten Entertainer haben den Schlagerwettstreit in den vergangenen Jahren auf FM4 kommentiert und wollen beim diesjährigen Grand Prix d¹Eurovision am 25. Mai selbst auf der Bühne stehen ­ ohne deshalb auf die traditionelle Radioreportage zu verzichten. Die Idee dazu stammt vom Wiener Musikjournalisten und -manager Walter Gröbchen; dem Aufruf, ein Lied für Stermann & Grissemann zu schreiben, folgten zahlreiche Musiker aus verschiedenen Richtungen. Das Rennen gemacht hat schließlich FM4-Kollege Fritz Ostermayer ("Im Sumpf"), der den beiden "Das schönste Ding der Welt" auf den Leib komponierte; arrangiert wurde der Song im Studio der Wiener Starproduzenten Mario Neugebauer und Patrick Pulsinger. Die PR-Maschine läuft seit Wochen auf Hochtouren: Erst kürzlich sorgte die Meldung, dass Stermann und Grissemann mit zwei Tanzbären auftreten wollen, für heftige Proteste von Tierschützern. Die Künstler stellten daraufhin klar, dass es sich dabei um Menschen in Bärenkostümen handeln sollte ­ und zwar um "prominente Tierschützer". Auch Journalisten sind vor den Täuschungsmanövern der beiden Neo-Schlagersänger nicht sicher: Beim unmittelbar nach dem Falter-Termin angesetzten Interview mit News wurde Komponist Fritz Ostermayer als "Rechtsanwalt Dr. Kurt Pfläumchen aus München" vorgestellt. Im folgenden Gespräch treten alle Beteiligten unter ihren richtigen Namen auf.

Falter: Stermann und Grissemann bewerben sich um die Teilnahme am Song Contest. Wie konnte es so weit kommen?

Christoph Grissemann: Die Frage muss man eigentlich Herrn Stermann stellen. Ich war und bin ja immer noch dagegen, aber er ist noch immer begeistert von der Idee. Und wenn ich mich jetzt davon entfernen würde, wäre das wohl der endgültige Bruch. Ich werde da irgendwie mitgeschleift.

Dirk Stermann: Das Ding an sich ist ja irrsinnig banal. Eigentlich wollten wir letztes Jahr schon mit der Moderation aufhören, aber FM4-Chefin Monika Eigensberger wollte unbedingt, dass wir das noch machen. Dieses Jahr wollten wir wieder aufhören, aber man muss sich ja erst kurz vorher dafür entscheiden, ob man das moderiert oder nicht. Irgendwann im Herbst hat mich der Walter Gröbchen auf einer Party angequatscht und gesagt: Das wäre doch ein guter Schlusspunkt: auftreten und moderieren. Vor zwei Jahren haben wir bei der Übertragung einmal behauptet, wir seien die dänischen Vertreter ­ die haben dann zufälligerweise auch gewonnen. Das war in dem Moment wirklich ganz lustig: die Vorstellung, dass man jetzt selber kurz rausläuft, singt, gewinnt ­ und dann wieder weitermoderiert.

Falter: Hat die zunehmende Unlust, den Song Contest zu moderieren, mit Ihnen zu tun oder mit dem Song Contest?

Grissemann: Einer ist ja wie der andere, irgendwann haben wir 120 Starter in unserem Stil moderiert ­ das wird beim 121. natürlich langweilig. Ich glaube schon, dass es eine gute Entscheidung ist, aufzuhören. Jetzt haben die Leute das noch als gute Sendung in Erinnerung; wenn wir das noch zehn Jahre weitergemacht hätten, wäre es wirklich todlangweilig geworden. Es wurde zuletzt wirklich immer langweiliger ­ schon bei der Vorbereitung war das mehr Geächze und Gestöhne als Leidenschaft.

Falter: Sie haben sich vorbereitet?

Grissemann: Ja, wir haben die Generalproben gesehen. Wir wussten, was die anhaben und welche Lieder die singen, aber am Schluss war das echt kein Spaß mehr.

Stermann: Weil ich mir das vorher nie angeguckt hatte, war ich in den ersten Jahren wirklich entsetzt, was das für Leute sind. Aber irgendwann ist das nicht mehr überraschend, dann erwartest du das ja. Und wenn dann einer keine Gardine anhat, sondern nur noch einen kleineren Vorhangstoff, dann ist es schon nicht mehr interessant.

Falter: Moderieren und auftreten - wie geht das?

Stermann: Wenn wir die Qualifikation schaffen, müssen wir uns in Estland halt so ein kleines Studio bauen lassen, so einen Übertragungswagen, und dann von da auf die Bühne laufen.

Falter: Wissen die Esten schon davon?

Stermann: Es gab ein kleines Vorgespräch. Wobei die Esten, glaube ich, nicht genau verstanden haben, worum es geht. Aber weil wir in der Vorausscheidung wahrscheinlich Siebente werden, müssen sie sich nicht wirklich damit auseinander setzen. Der Chef des estnischen Fernsehens ist ein irrsinnig strenger, humorloser Schwede. Ein Freund von Mischa Zickler (der für den Song Contest verantwortliche ORF-Redakteur, d. Red.). Da fällt mir ein: Gestern hab ich ein Mail bekommen, wo nochmal genau steht, wie die Regeln für den Auftritt sind. Da betrifft praktisch jeder Punkt fast aus-schließlich uns. Die haben offensichtlich totalen Schiss.

Fritz Ostermayer: Die haben eine Lex Stermann-Grissemann gemacht!

Stermann: Genau. Wer von denen würde während des Liedes zum Beispiel reden wollen?

Grissemann: Oder moderieren

Ostermayer: Es darf auch niemand während des Songs von der Bühne gehen oder neu dazukommen. Das ist die Bären-Lex.

Stermann: Es gibt insgesamt ungefähr 25 Disqualifizierungsgründe. Und die haben eine Maschine entwickelt, die einfach mittendrin aufhört, wenn man disqualifiziert wird.

Ostermayer: Das Lied darf ja nur drei Minuten lang sein, das beginnt mit dem ersten Ton und endet mit dem Nachhall der Nummer. Würden sie jetzt einen Satz sagen, bevor das Lied losgeht, wäre das schon Disqualifikation, weil das Lied ist 2:57 lang, und ein Satz dauert länger als drei Sekunden, und dann: Tschack! Disqualifiziert.

Grissemann: Also, es wird ganz schwer sein, nicht disqualifiziert zu werden. Stermann: Das ist mehr oder weniger unmöglich. Wir sind ja nicht einmal textsicher. Wenn wir eine Textzeile anders singen, weil sie uns nicht einfällt, sind wir disqualifiziert. Alkohol steht da, glaube ich, auch drin.

Grissemann: Alkohol ist der totale Disqualifizierungsgrund. Wenn man in den Proberäumen ein Bierchen trinkt

Falter: Wie reagiert eigentlich die Konkurrenz auf Sie?

Stermann: Bei der Pressekonferenz waren die alle freundlich. Manche finden es unfair, dass wir jetzt einen Platz haben, obwohl wir gar keine Sänger oder Musiker sind.

Ostermayer: Als ob das im Pop je ein Kriterium gewesen wäre, ob jemand singen kann oder nicht!

Falter: Sie können definitiv nicht singen?

Grissemann: Also, ich kann eigentlich ganz gut singen, finde ich. Aber es reicht natürlich nicht für eine Sängerkarriere.

Stermann: Ich kann nicht singen.

Ostermayer: Sie haben beide eine sehr schöne Stimme, aber sie können die Töne, die vorgegeben sind, nie finden.

Grissemann: Danke, deswegen haben wir dich mitgenommen!

Falter: Ist es mit Ihren Stimmen wie mit dem Granitblock, in dem die Statue enthalten ist?

Stermann: Ja, der Mount Rushmore des Song Contests.

Ostermayer: Das weiße Rauschen, in dem die Melodie verborgen ist. Stermann: Aber das ist ja eben auch nicht das Kriterium. Wenn man jetzt wirklich gute Musik macht, würde man sich ja nicht dort bewerben. Dann würde man wahrscheinlich einen anderen Weg wählen.

Ostermayer: Das war jetzt eine Retourkutsche an mich. Ich hab ja eine gute Melodie gemacht!

Falter: Was ist denn nun das Kriterium?

Grissemann: Gute Frage. Die Chance, dass das für uns beide eine programmierte Vollpeinlichkeit wird, ist meiner Meinung nach weiterhin riesengroß. Es ist natürlich brandgefährlich, normal dürften wir das nicht tun.

Falter: Was ist denn so gefährlich daran?

Grissemann: Um die Erwartungen nicht zu enttäuschen, müssen wir sozusagen etwas anzünden. Allerdings ist das Skandalträchtige im Song-Contest-Rahmen ja auch schon ein bisschen lächerlich, das heißt, es bleibt in Wahrheit gar nichts mehr übrig. Es ist eine ironietote Zone, mehr tot geht gar nicht. Deswegen ist es irrsinnig schwierig, da was zu finden, fast unmöglich. Man kann nur versuchen, allzu große Peinlichkeit zu vermeiden. Jetzt wie Guildo Horn oder Stefan Raab anzufangen, sechs Jahre zu spät, wäre das Allerletzte.

Falter: Wie fanden Sie diese Auftritte?

Stermann: Horn war ganz gut, Stefan Raab war eher enttäuschend. Da hat man sich erwartet, dass etwas passiert ­ aber es passierte nichts. Das war dann ein bisschen langweilig.

Falter: Aber treten Sie nicht auch mit dem Anspruch an, lustiger als die anderen zu sein?

Stermann: Wenn man nicht mal lustiger ist als die anderen, dann bleibt ja gar nichts mehr, weil besser singen können wir ja auch nicht. Aber in Wahrheit ist es eher ein Zusatzservice zur Moderation für die FM4-Hörer. Für die Leute, die das im Radio mitkriegen, hat das einen Reiz, dass die, die moderieren, mal kurz auf die Bühne laufen.

Grissemann: Ja, das finde ich auch schön. Aber FM4 hören tun vielleicht 10.000 bis 15.000 Leute, und insgesamt sehen 1,3 Millionen den Song Contest. Also, natürlich müsste das, was man da auf die Bühne setzt, für sich alleine stehen können. Die Oma, die vorm Fernseher sitzt, kennt ja nicht einmal FM4.

Stermann: Dann müsstest du aber alles anders machen. Du hoffst doch auch sonst nicht darauf, dass sich die österreichische Durchschnittsoma denkt: "Wow, das ist doch wahnsinnig cool, warum kenne ich diese freundlichen, lustigen jungen Herren nicht?" Darum gings ja noch nie.

Falter: Aber wie soll man ein Event satirisch unterlaufen, das ohnedies nur noch die Omas ernst nehmen?

Grissemann: Die Chance ist wirklich groß, dass wir das humoristische Kapital, das wir uns in zehn Jahren aufgebaut haben, auf einen Schlag verlieren. Wir haben echt die Möglichkeit, ordentlich an Image zu verlieren ­ falls wir überhaupt noch eines haben. Das sieht Stermann nicht so.

Ostermayer: Man könnte es auch ganz anders sehen und nicht von Verlust, sondern von Gewinn reden. Mir fällt jetzt spontan die großartige französische Sängerin Hermine ein, die absolut nicht singen kann. Aber sie tut es mit extremem Charme und heiligem Ernst. Und es hat in dieser Lächerlichkeit natürlich auch große, große Würde. Ich finde auch euren Text sehr schön. Wenn ihr das Lied ganz ernst singt, hat das nicht nur ein peinliches Potenzial, sondern auch einen rührenden Ernst, würde ich meinen.

Falter: Aber ist nicht schon die Tatsache, dass Stermann und Grissemann beim Song Contest antreten wollen, ironisch?

Ostermayer: Ich habe das Lied ganz ernst geschrieben. Ich habe nicht ein Liedchen für den Song Contest komponiert, sondern das gemacht, was ich echt kann: Kindermelodien, Mariachis, burgenländische Bauernsynthesizer, die dem Song Contest, wie mir scheint, noch immer irgendwie entsprechen. Da ist von mir aus keine Ironie drinnen.

Stermann: Wir haben extra auch keinen Text geschrieben, der lustig sein soll.

Grissemann: Das Lied funktioniert auch ohne Song Contest gut, es ist FM4-tauglich, und wenn es von besseren Sängern gesungen würde, wäre es wirklich gut. Aber ich kann mir jetzt schon vorstellen, dass die Leute einfach sagen: Es war ein bisschen langweilig, von denen hätte ich mir mehr erwartet.

Falter: Haben Sie den Auftritt schon einstudiert?

Grissemann: Zehn Tage vor der Vorausscheidung existiert zwar ein Lied, mit dem alle zufrieden sind. Aber wie die Performance ausschaut, wissen wir bis heute nicht.

Stermann: Die anderen Kandidaten schwitzen jetzt wahrscheinlich alle in irgendwelchen Dance-Studios und sagen: "Arbeiten, arbeiten, arbeiten, wir müssen viel mehr arbeiten!" Wir sind nur psychisch zerrüttet und reden immer darüber.

Ostermayer: Wir wissen noch nicht, wie es genau ablaufen wird. Es dürfen sechs Menschen auf der Bühne stehen, inklusive Band, und es muss live gesungen sein.

Grissemann: Außer uns wird der Fritz auf der Bühne sein und der Chrono Popp. Es wird also eine Runde gemütlicher, älterer Sauftypen erscheinen. Ein guter Kontrast zu den 18-jährigen Go-go-Tänzerinnen, die sonst dort auftreten.

Ostermayer: Da wird eine Schüssel'sche Gelassenheit herrschen.

Falter: Es gab ja auch eine interne Stermann-Grissemann-Vorausscheidung. Wer hat denn noch so aller etwas eingeschickt?

Ostermayer: Der Georg Danzer hat elf Songs für sie geschrieben, in einer rasenden Geschwindigkeit. In drei Tagen! Ich habe ein paar davon gehört, die sind wirklich schön ­ aber es ist Georg Danzer. Ich glaube, ich habe deshalb diese interne Ausscheidung gewonnen, weil ich der Einzige bin, der weiß, dass sie nicht wirklich singen können, dass man sie eher rhythmisch sprechen lassen muss.

Grissemann: Hans Platzgumer hat eine 17-sekündige Skizze eingereicht.

Stermann: Interessanterweise hat auch Bobby Singer etwas eingereicht. So eine Demoversion mit unfassbar komplizierten, schwierigen Gesangparts. Sind Sie als Komponist voll mit Herzblut dabei? Wollen Sie jetzt, dass die beiden die Ausscheidung gewinnen?

Ostermayer: So naiv bin ich auch nicht, dass ich glaube, wir könnten da gewinnen. Ich glaube, die Lex Stermann-Grissemann hat sicher noch ein paar kleine Klauseln, die wir nicht gesehen haben, wo drinnensteht: Die zwei dürfen nicht gewinnen.

Falter: Und wenn sich die FM4-Community auf ein Packl haut?

Ostermayer: Was ist eine FM4-Community gegen eine Ö3-Community mit Manuel Ortega oder so? Ich glaube, das ist vernachlässigbar. Der hat immerhin schon zwei Hits gehabt.

Grissemann: Andererseits: Die anderen neun Starter nehmen sich ja auch Stimmen weg. Wir sind die Einzigen auf der Bühne, die anders sind.

Ostermayer: Aber woher soll dieses Volk plötzlich Sophistication entwickeln?

Stermann: Vor allem: Diejenigen, die die Sophistication spüren, schauen sich das nicht an und machen nicht mit. Ich würde da auch nicht mitmachen.

Ostermayer: Ich verspreche jedem ein Bier, der euch wählt.

Stermann: Wir haben einen getroffen, der gesagt hat: Für dreißig Euro würde er für uns stimmen. Der Grissemann war aber besoffen und hatte kein Geld dabei, also haben wir die einzige Stimme verjuxt.

Grissemann: Dreißig Euro, das ist zu viel!

Falter: Jetzt einmal ehrlich: Wir nehmen Ihnen nicht ab, dass Sie nicht gewinnen wollen.

Grissemann: Der einwöchige Ausflug nach Tallinn wäre natürlich super.

Ostermayer: Ich könnte dann mit meiner Familie das erste Mal woanders als in Grado Urlaub machen.

Stermann: Ich glaube, spätestens wenn wir da sitzen und das Voting kommt, wollen wir schon gewinnen. Es würde für unendliche Verzagtheit sorgen, wenn man nach dem achten Jurymitglied immer noch null Punkte hat.

Falter: Was darf man über das Lied sagen, wie sind da die Regeln?

Ostermayer: Reden darf man schon, nur nicht vorsingen.

Falter: Was ist "das schönste Ding der Welt"?

Grissemann: Das schönste Ding der Welt ist dieses Lied.

Ostermayer: Das ist ein selbstreferenzielles Spielchen.

Stermann: Also das schönste Lied der Welt. Was ja irgendwie auch ein guter Anspruch ist.

Ostermayer: Es ist auch ein Friedenslied, weil wenn alle anderen einsehen, dass es das schönste Lied der Welt ist, dann wird es Erster und trägt so zur Unverstimmtheit bei. Da gibts keinen Ärger, wenn sies wirklich einsehen, die Manuels.

Falter: Im Falle des Sieges beim Song Contest wird auch eine englische Version des Stückes gespielt. Gibt es euer Lied auch auf Englisch?

Ostermayer: Das Lied ist vorauseilend gehorsam genug, dass der letzte Refrain auf Englisch gesungen wird. "This is the best song in the world."

Stermann: Meiner Tochter Hannah taugts übrigens total, wir müssen das immer im Auto hören. Ihr gefällt besonders die Mandoline am Anfang.

Falter: Also privat darf mans schon spielen?

Stermann: Ja, aber wir müssen dann immer die Scheiben raufkurbeln.

Ostermayer (zu Stermanns Tochter, die ihren Vater zum Interview begleitet hat): Gefällt dir auch, wie dein Vater singt?

Hannah Stermann: Das Reden am Anfang nicht so, dann schon.

Stermann: Aber als dus das erste Mal gehört hast, hast du gesagt, das ist ja fürchterlich.

Ostermayer: Ja, man gewöhnt sich an alles. Meiner Tochter gefällts auch gut. Insofern sind die Chancen bei der weiblichen Hörerschaft gut.

Hannah Stermann: Wie alt ist die?

Ostermayer: Acht Jahre. Mein zwölfjähriger Sohn verachtet mich mittlerweile. Aber der ist halt Eminem-Fan. Da sehe ich keine Verwandtschaft.

Falter: Ist das für ihn Verrat, dass Sie überhaupt für den Song Contest schreiben?

Ostermayer: Den kennt er gar nicht. Aber er findets lustig, dass ich mit den beiden was mache.

Falter: Die findet er gut?

Ostermayer: Nicht gut. Cool.

Grissemann: Cool ist eigentlich ein gutes Stichwort. Man redet da so locker, aber man muss ja erst mal die Souveränität haben und dort einen coolen Auftritt machen. Ich weiß nicht, ob ich die habe. Ich habe extreme Angst, Schweißausbrüche zu kriegen, weil mir das alles so peinlich ist. Gerade wir müssen die souveränsten Typen des Abends sein. Und ich weiß nicht, ob wir das draufhaben.

Stermann: Der Patrick Pulsinger hat gesagt, wir sollen mit einem Gestus der würdevollen Verachtung auftreten. Aber das ist natürlich schwer herzustellen.

falter

hr @ 28.02.2002 @ 08:22:09  :

na sevs oj

ich schreib da jetzt rein, damit es keine one-person-conversation bleibt.

oj @ 28.02.2002 @ 08:30:45  :

ma des is oba liab.

danke.

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